Multifunktionsrucksack – Der Allrounder unter den alpinen Carry Tools!

Wie viele Rucksäcke besitzen Sie? Bike-, Hike-, Ski-, Kletterrucksack? Und noch einen kleinen für die Bäcker- und Metzgerfahrten…? Ganz klar, jede Disziplin bringt ihre speziellen Anforderungen mit sich. Aber was können eigentlich sogenannte Multifunktions-Modelle?

Detail Lowe Alpine


Grundsätzlich
wurde über Rucksäcke in der Vergangenheit definitiv jede Menge geschrieben und getestet. Kein Magazin, das sich dieses Themas nicht schon von allen nur erdenklichen Seiten her angenähert hat. Zum Klettern, Wandern, für Hochtouren oder zum Biken. Als Daypack oder 45+ Variante für Mehrtagestouren. In vielen „sportlichen Haushalten” stapeln sich die Spezial- Tornister bis unter die Decke – ein Ende ist nicht abzusehen, der Stauraum schwindet. Und genau hier setzen wir an und fragen uns: Was decken eigentlich die sogenannten Multifunktionsrucksäcke ab? Wie gut sind zum Beispiel Alpinklettern und Mountainbiken rucksackmäßig zu vereinen? Mountains4u hat zehn Modelle namhafter Hersteller getestet, nach dem Prinzip: Einer für alles. Das Packvolumen haben wir bewusst niedrig gewählt – 18 bis 25 Liter: Less is more. Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn man bereits vor dem Kauf entschieden hat, wo die primären Einsatzgebiete liegen. Sind es gemäßigte Wanderungen, auch mal in Kombination mit einem Klettersteig, dann sollte ihr „Neuer” über eine Stockbefestigung verfügen, die Deckeltasche mit Innen- und Außenfach, einem Hauptfach und ggf. mit einer Trinksystemvorbereitung (für alle, die gern am Schlauch nuckeln) ausstaffiert sein. Das Rückensystem für diesen Einsatzbereich ist steif, der Hüft- bzw. Beckengurt fest und leicht gepolstert. Das reicht.

Nachgefragt…

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…bei Michael Lentrodt,
Bergführer und Präsident des
Verbandes Deutscher Berg- und Skiführer

 

 

 

Mountains4u: Schwerpunkt Kletterrucksack – wie sieht für dich das optimale
Modell aus?
„Einen guten Rat für einen Rucksack zu geben ist wirklich schwer, weil die Anforderungen
und persönlichen Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind. Beim alpinen Sportklettern habe ich einen extrem leichten Rucksack dabei, in den, während des Kletterns, nur die Abstiegsschuhe, eine Trinkflasche und ein Verbandspäckchen passen. Was beim Zu- oder Abstieg nicht reingeht, wird an den Klettergürtel gehängt. Leichtigkeit ist hier die oberste Devise. Im Hochgebirge schaut das dann schon wieder anders aus, je nach Tour und beabsichtigter Route. Auch bei Rucksäcken gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr. Jeder Reißverschluss und jede Schnalle muss hinterfragt werden.”

Mountains4u: Wie viele Rucksäcke hat ein Michael Lentrodt im Keller?
„Wie viele Rucksäcke ich im Keller habe, willst du nicht wirklich wissen… Nur so viel:
Ich habe einen großen Keller…”

Nachgefragt…

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…bei Karen Eller,
Profi-Bikerin & Inhaberin
„Die Rasenmäher”.

 

 

Mountains4u: Wie sieht für dich der perfekte Bike-Rucksack aus?
„Der perfekte Bike-Rucksack ist vor allem leicht. Außerdem sollte er folgende weitere
Kriterien erfüllen: Eine sehr gute Passform – vor allem zum Bergauf- und Bergabfahren,
eine Möglichkeit, Knieprotektoren außen dran zu schnallen, eine Trinkblase (in einem
Extrafach) mit ausreichend großem Loch zum Einfüllen und Saubermachen, ausreichend
kleine Fächer, die übersichtlich sind, vor allem auch genügend kleine Fächer außen, an
die man schnell dran kann, zum Beispiel für Handy, Portemonnaie, Karte etc. Und wenn
wir schon mal dabei sind, er sollte eine schöne auffällige Farbe haben und vielleicht ein
paar kleine weibliche Details (man merkt ganz schnell, ob sich ein Rucksackentwickler
wirklich Gedanken über die bikende Frau macht oder sich einfach nur irgendetwas
zusammenreimt.”

Mountains4u: Gehen wir noch ein wenig ins Detail. Welche Größe und welche
Details favorisierst du?
„Für Tagestouren sind 15 Liter bei mir ausreichend, im Hochsommer bei stabilem
Wetter kann es auch ein noch kleinerer Rucksack sein. Mir ist ein Extrafach für nasse,
verschwitzte Kleidung sehr wichtig. Außerdem möchte ich den Rucksack optimal auf
meine Anatomie einstellen können, damit er auch beim Bergabfahren topfest sitzt und
mich nicht überholt! Wichtig sind mir genügend Fronttaschen für meine Sachen, an die
ich zum Beispiel bei Camps auch mal schnell unterwegs dran muss. Ich möchte den
Rucksack auch gern mit nur einer Hand fest justieren können.”

Mountains4u: Wie viele Rucksäcke hat eine Karen Eller im Keller?
„Also, einen größeren Bike-Rucksack mit ca. 20 Litern für meine Camps, da muss ich
immer viel für alle Eventualitäten dabei haben. Einen kleineren und leichteren
Bike-Rucksack, wenn ich im Hochsommer unterwegs bin und nicht viele Klamotten
mitnehmen muss. Dann habe ich noch einen Rucksack zum Wandern mit den Kids, der
ist viel größer als mein Bike-Rucksack. Und last but not least einen ABS-Rucksack zum
Freeriden im Winter.”

Deuter, Fjäll Räven, Kohla sw

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer die Gipfel gern kletternd erobert, wählt am Besten ein schlankes Modell, ohne viel Schnickschnack und flatternden Bändern. Dafür lieber mit Materialschlaufen am Beckengurt, einer Möglichkeit der Seilbefestigung und der Rucksack muss sehr eng am Körper/Rücken sitzen also eher einen weicheren Rücken haben. Damit die Schwerkraft keine Chance hat! Bikefans wollen ihren Helm verstaut wissen während Skitourengeher eine Befestigungsmöglichkeit für Steigeisen, Eispickel und Ski präferieren. Last but not least: das Interieur. Über wie viele Fächer, Taschen und Verschlüsse ein Rucksack verfügt, ist abhängig von Einsatzbereich, Hersteller und persönlichem Geschmack. Wir finden auch hier: Less is more…

Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle Rucksäcke sehr gute Ergebnisse für verschiedene Einsatzbereiche erzielen konnten. Die Hersteller verfolgen in der Entwicklung vor allem die Komponenten Tragekomfort und Leichtigkeit. Unsere „Leichtesten” im Test: Berghaus „Limpet 20” und Norrona „Bitihorn 20”, beide bringen gerade mal 636 Gramm auf die Waage, beide sind Allrounder, wobei sich das schwedische Modell definitiv mehr zum Biken hingezogen fühlt.
Den „Kostengünstigsten” hat Deuter mit seinem Modell AC Lite 18 ins Rennen geschickt. Für 64,95 Euro bekommt Frau einen tollen Multifunktionsrucksack inkl. ausgereiftem Tragesystem – für Mountains4u einen Kauftipp „Allrounder Frauenmodell” wert. Aus Tirol, genauer aus dem Stubaital kommt der Kohla „Multisport 20”. Ein ganz heißer Anwärter, was Preis/Leistung betrifft. Unter 800 Gramm und 69,95 Euro sprechen für sich. Auch der norwegische Hersteller Bergans legt mit dem Modell „Skarstind 22” die Benchmark hoch: ausgetüftelte Funktionen, robuste Verarbeitung und das bei nur 700 Gramm Eigengewicht.

Lowe Alpine RückenOsprey RückenBlack Diamond Rücken

Der „Nitro 22” von Black Diamond hat das gleiche Volumen wie sein skandinavischer Mitstreiter, wiegt aber gute 200 Gramm mehr, was die guten Testergebnisse allerdings nicht beeinträchtigte. Unser „Fashionstar” kommt von Tatonka. Allerdings ist der „Auree 20” in seiner Volumenklasse mit 800 Gramm nicht der leichteste und mit 95,– Euro im Vergleich auch nicht der günstigste. Kommen wir zu den etwas größeren Alpin-Carrier. Den Anfang macht

LoweAlpine mit dem „Airzone ND 24”. Mit gut 1.000 Gramm definitiv immer noch leicht, aber doch nicht mehr ganz vorn im Ranking. Zumal Osprey mit dem „Escapist 25” einen Allrounder ins Rennen geschickt hat, der bei seinem Volumen nicht mehr als 880 Gramm auf die Waage bringt. Er ist mit 100,– Euro unser teuerster Rucksack. Aber, wie wir finden, immer noch mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis.

Den Abschuss macht Fjall Raven´s „Funäs 25”. Unser Zurrwunder und der schwerste
Rucksack im Test. Er schlägt mit 1.240 Gramm zu buche, sein Tragesystem ist aber so gut,
dass es dieses „Übergewicht” locker ausgleicht.

 

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