Abenteuer Carstensz-Pyramide Teil 2: Timika auf Papua

Es ist kurz vor zwei Uhr nachts, das gleißende Licht des modernen National Airport in Denpassar auf Bali, hält uns vom Schlafen ab. Wir sind auf dem Weg in eines der letzten Stückchen Erde, die man getrost noch als abenteuerliches Neuland beschreiben darf. Wir sind auf dem Weg nach Timika in westlichen Teil Papuas unserem letzten zivilen Stützpunkt vor dem Aufbruch zur Carstensz-Pyramide.

Die Begrüßung ist wie befürchtet feucht – zu unserem Empfang ergießt sie die Tropische Regenflut über die Landebahn. Ich setzte den ersten Schritt auf die Insel und weiß, hier bin ich richtig, das ist genau meins. Auf der Toilette „unterhalte“ ich mich mit einer jungen Einheimischen, sie spricht, ich nicke, versuche ihr zu erklären, dass wir am nächsten morgen nach Illaga fliegen, um auf die Carstensz-Pyramide zu gehen. Sie nickt verständnisvoll, erstaunt, und wartet … worauf, ich weiß es nicht. Wir verstehen uns – ohne Worte, sie lächelt, ich lächle zurück. So einfach kann das Leben sein.

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Rikschafahrer bei ihren Zeitvertreib … Kunden kommen hier selten

Vor Ort lenkt die Geschickte ein Deutscher, der hier seit Ewigkeiten lebt, der Sprache mächtig ist. Es ist unschwer zu erkennen, dieser Mann ist hier der Boss. Er spricht die Sprache, laut und deutlich, seine Intonation, sein Stil uns aufzuklären, erinnert mich den einen oder anderen US-amerikanischen Militärfilm. Später am Tag löchere ich ihn mit Fragen … seine Antworten bezogen auf kulturhistorische Belange scheinen schlüssig: Die Mehrzahl der hier lebenden Menschen sind Papuas, 99% wurden christlich missioniert. Sie leben im Inselinneren, auf ihren Stammesgründen. Sie sind es auch, die als Einzige über Landrechts verfügen. Möchte die Regierung Land kaufen, muss sie dieses bezahlen, das war nicht immer so. Der zugewanderte muslimische Teil der Bewohner in den Küstenregionen.

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Hauptfortbewegungs- und Transportmittel in Timika … nicht selten mit zwei, drei Kindern und den Eltern besetzt

Also wir landen in einem Hotel, das mich sehr an die ehemalige DDR der achtziger Jahre erinnert. Quadratisch, praktisch … hässlich. Aber was solle, morgen sind wir hier weg, weg von der Zivilisation. Eine Twinotter bringt uns in aller Frühe nach Illaga, unserem letzten Kontakt zur Zivilisation, dort übernachten wir zum ersten Mal im Zelt – das lange ersehnte Abenteuer beginnt … mit dem einen oder anderen kleinen Stolperstein … morgen.

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Garküche in Timika

Vor dem Mittagessen ziehen meine Bergkumpel, Bernhard, Kurt, Martin und ich los, Bier für den Abend zu besorgen und ein wenig Tabak für den Expedition. Tauchen ein in eine Kultur, die als solche nicht wirklich zu bezeichnen ist. Ein niedriger Betonbau, reiht sich an den anderen. Alles ist extrem schmutzig, Plastikmüll liegt in den Straßengräben, Papier, Essens- und Ölreste schwimmen in den soeben aufgefüllten Pfützen. Kein schöner Anblick. Sie suche nach Bier und Zigaretten geben wir nach einer guten Stunde auf. Es gibt kein Bier, nirgends. Dafür Zigarettenpackungen mit offenen Karzinomen an Hals, Lippe, Brustkorb … mir vergeht die Lust auf Zimtzigaretten.

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Bereits heute mussten wir unser Gepäck teilen – Basislager und Trekking bis dorthin. Und dann mit voller Montur und Rucksack zum Einwiegen, das an und für sich schon ein eigenes Abenteuer war. Zwei Waagen, zwei Ergebnisse, wir haben uns für die leichtere Variante entschieden, die, soviel weiß ich, in jedem Falle die realistische war. Kurz vor der Abreise stellte ich mich zu Haus nach ewiger Zeit wieder einmal auf die Waage – mit Tasche. Schließlich durfte das Gepäck ja 30 Kilogramm nicht überschreiten.

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Der Bergführer Hajo Netzer beim Einwiegen

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Wir „eichen“ sie Waage auf unsere Art

Diese 30 Kilogrammtasche wurde mir beinahe bei der Einreise nach Papua zum Verhängnis – zu schwer – „20 Kilo Madam oder zahlen“. Ergo habe ich alle schweren Dinge ins Handgepäck gepackt, das schließlich 14,2 Kilogramm auf die Airportwaage brachte – die Expeditionstasche aber immer noch 27, 3 Kilogramm … Waagen scheinen hier ein echtes Problem zu sein. Bezahlen musste ich nicht – was für eine Logik.

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Karzinome jeglicher Art auf den Tabakwaren …

Zigaretten haben wir abgeschrieben, aber das Abendbier drängt sich nach dem Essen immer mehr in unser Bewusstsein. Martin und Hajo von der Amical Alpin Gruppe haben uns einen „Fahrer“ zum Bierkaufen besorgt. Ich durfte fahren … auf dem Rücksitz eines Mopeds, in jeder Hand eine volle Tüte einheimischen Bieres hatte ich mein erstes wahrhaft nettes Abenteuer … die Fahrkünste meines Mofapiloten, meine Verhandlungsgeschicke mit dem „Bierlanden“, respektive mit einem Papua welcher von Bierladenbesitzer angehalten wurde seine Flaschen nicht unter 23.000 Indonesische Rupiah (ca 1,50 €) zu verkaufen, verliefen … erfolglos. 17 Flaschen brauchten mir die 400.000 Rupiah. 9 Euro Trinkgeld für meinen Freund …

Ich weiß nicht, ob es uns gelingt in den nächsten Tagen hier weiter zu berichten, das Satellitentelefon in Kombination mit dem Laptop lässt uns immer noch im stich … wir werden sehen.

Teil 3 folgt, sobald ich wieder Zugang zum Rest der Welt habe.
Euch bis dahin eine gute Zeit. Euere Petra

PS. Gerade fängt es wieder zu schütten an, es ist zehn Uhr nachts. Gut um ruhig zu schlafen, vielleicht scheint ja morgen Früh dafür die Sonne.

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