Die Innsbrucker und das VOWA Porsche Nordkette Quartett

1 Berg, 4 Disziplinen, die Innsbrucker und das Nordkette Quartett

So ein Berg erlebt im Laufe seines Lebens unendlich viel; um nicht zu sagen, er führt ein bewegtes Leben. Dabei ist es nicht unbedingt der Berg selbst, der sich bewegt – und wenn, dann ist der plattentektonische Prozess so langsam, dass er für uns Menschen nicht wahrnehmbar ist – vielmehr sind es die Lebewesen, die sich darauf und darin auf jegliche erdenkliche Weise bewegen. Eine Spezies dieser bewegten Lebewesen ist der Mensch und hier wollen wir uns heute ganz besonders dem ‚Innsbrucker’ widmen.

Der typische Innsbrucker (wir gendern hier nicht und schließen hier dennoch die Innsbruckerinnen mit ein) und ‚sein’ Berg – da geht nix drüber! Auf diesen einzig wahren Berg – der Nicht-Einheimische kennt ihn und seine Kollegen unter dem Namen ‚Nordkette’ – wandert, läuft, radelt, skitourt der Innsbrucker in großer Regelmäßigkeit hinauf. Er fährt ihn auch liebend gern runter, mit den Skiern ebenso wie dem Mountainbike. Und der Innsbrucker nützt jede Chance, sich auf diesem Berg mit anderen zu messen. ‚Wie oft bist du in diesem Winter schon mit den Skiern auf der Seegrube gewesen?’ ist nur eine der klassischen Fragen, die beim Austausch mit Gleichgesinnten obligat ist.

Und weil dem so ist (und noch lange so sein wird), wurde vor ein paar Jahren ein sportlicher Staffelbewerb, bei dem eben dieser Berg im Mittelpunkt steht, ins Leben gerufen – das ‚Vowa-Porsche Nordkette Quartett’. Jeweils vier Menschen, nicht zwingender Maßen, aber doch mehrheitlich Innsbrucker, bilden ein Team und versuchen in der schnellst möglichen Zeit die knapp 1700 Höhenmeter von der Stadt am grünen Inn bis hinauf aufs hochalpine Hafelekar und wieder retour zu absolvieren. Und das in den bevorzugten Bewegungspielarten der Einheimischen – mit dem Mountainbike im Massenstart auf knapp 1300m, dort Übergabe an den Skibergsteiger. Der rennt um sein Leben bis zum höchsten Punkt des Rennens auf das Hafelekar (2269m), um das Staffelband an den Ski-Abfahrer weiter zu geben. Mit geschulterten Skiern geht’s für den am Grat entlang und dann die 41 Grad steile Karrinne talwärts und über den Osthang zur letzten Wechselzone an der Schneegrenze. Dort wartet der Mountainbike Downhiller auf seinen Einsatz. Er hat die Aufgabe und Ehre die Teamleistung ins Ziel zu bringen, aber nicht ohne sich vorher über den gefürchteten und oftmals gehassten Nordkette Singletrail zu stürzen. Eine unmenschliche Aufgabe für viele, der perfekte Wettkampf für Innsbruck!

Im dritten Jahr seines Bestehens gelingt der Coup – der Tanz auf der Klinge der Jahreszeiten – zum ersten Mal auf der kompletten Distanz und in all seiner Härte. Nach zwei Wochen grandiosem Frühjahrswetter entlädt sich zwei Tage vor dem Rennen eine Schlechtwetterfront über dem Inntal, doch es wäre nicht Innsbruck, würden am wolkenverhangenen Rennsonntag nicht knapp 400 Motivierte in feinstem Funktionswäsche-Zwirn in allen gängigen Modefarben und mit dem letzten Material-Schrei ausgerüstet an der Startlinie bzw. an den Wechselzonen ungeduldig zappeln. Endlich geht’s wieder los! Endlich dürfen sie sich quälen, den Berg raufbeißen – denn dass muss man den Innsbruckern lassen, sie sind hart im Nehmen und noch härter zu sich selbst – die Muskeln weiter über die Übersäuerungsgrenze hinaus treiben um erst nach der Weitergabe des Staffelbandes der Rebellion des Magens klein bei zu geben.

An diesem Tag herrscht ein irrsinniges Gewusel am Hausberg der Innsbrucker, selbst die gemeinen Zuschauer sind früh morgens losgestapft und haben sich den Platz direkt an der Strecke in Beinarbeit gesichert und säumen den Weg bis hinauf auf den Gipfel. An diesem Tag wird der Frühling eingeläutet und der Winter verabschiedet. Sommersportler und Wintersportler tummeln sich gemeinsam auf einem Berg, pedalieren in Shorts über Schneefelder, carven mit Blick auf die Olympiastadt im Neuschnee und wirbeln mit schwerem Downhillgerät bei frühlingshaften Temperaturen ordentlich Gatsch auf.

Vorschau Document[27]

Nach 1:49:49 ist der Erste im Ziel – schneller als es der Tourist schafft, um von der Stadt über die Luftseilbahn Nordkettenbahnen auf das Kar zu kommen, seine Urlaubsfotos zu schießen und retour zum Goldenen Dachl. Unter zwei Stunden, damit haben die wenigsten gerechnet. Die Splitzeiten sind noch großartiger und die Sieger überglücklich. Sie haben hart gearbeitet, das Beste für das Team herausgeholt und waren natürlich schon bei der ersten Austragung dabei. Beim dritten Anlauf hat alles perfekt geklappt – endlich!

Vorschau Document[29]Vorschau Document[28]

Was? Die Sieger – Frank Demuth/Philipp Schädler/Jonas Schlachter/Marco Bühler – kommen aus Deutschland? Kann nicht sein… ein deutscher Doppelsieg und die Lokalmatadore und Vorjahresgewinner – Daniel Rubisoier/Armin Neurauter/Daniel Regensburger/Gerhard Senfter – ‚nur’ auf dem dritten Rang? Es ist egal, diese Ehre sei allen gegönnt, die den Berg ‚bezwingen’. Denn, und daran ist nichts zu rütteln, der geliebte Berg bewegt sich nicht und bleibt ihnen auf jeden Fall erhalten, den Innsbruckern. Sie haben ihn täglich vor, neben, hinter und oft genug unter sich. Keiner wird daran je was ändern. Die Innsbrucker und ihre Nordkette sind unzertrennlich und bis zum nächsten ‚Nordkette Quartett’ gehört der Berg wieder ganz ihnen!

Text: Katrina Strobl

 

 

You may also like...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.