Foto: AUROCO

Startup mit erster elektronischer Seilsicherung

Q29A1881Klettern ohne Sicherungspartner? Soll in Zukunft möglich sein. Das Münchner Startup Auroco hat nämlich die erste elektronische Seilsicherung der Welt entwickelt und will damit gemeinsam mit der Szene den Klettersport revolutionieren.

Zur Finanzierung dieser höchst interessanten Produktneuheit starten die ISPO Award Gewinner 2016  am 15. Juni eine Crowd-Investing-Kampagne auf www.conda.eu

Jan Lohse und Florian Widmesser (rechts)

Jan Lohse und Florian Widmesser (rechts)

Wer klettern gehen möchte, muss sich mit einem Sicherungspartner verabreden. Diplom-Ingenieur Florian Widmesser, selbst begeisterter Kletterer, wollte spontaner und zugleich risikofreier unterwegs sein. Im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelte er das Produkt EPIC (Electronic Partner for Individual Climbing). Es ist das weltweit einzige vollautomatische Sicherungssystem, das den Vorstieg, den Nachstieg und das Abseilen mechatronisch über eine Box und eine Fernbedienung am Oberarm steuert, also ohne Sicherungspartner. Um den Markteintritt in den boomenden Klettersport finanzieren zu können, setzen die beiden Gründer auf die Szene selbst. Über zwei Millionen Hobbykletterer sind in Europa mit Gurt, Seil und Karabiner unterwegs. Am 15. Juni 2016 startet eine Crowd-Investing-Kampagne auf der Plattform www.conda.eu, bei der die „Crowd“ ihre Zukunft selbst mitbestimmen kann. Die Fundingschwelle liegt bei 50.000 Euro, das Fundinglimit bei 250.000 Euro. „Wer investiert, setzt mit uns neue Maßstäbe für die Sicherheit im Klettersport“, so Gründer Jan Lohse. www.auroco.de

Wie EPIC funktioniert

Q29A1483EPIC ist eine elektronische Seilsicherung, die über eine Fernbedienung am Oberarm gesteuert wird. Das Sicherungsgerät ist etwa backsteingroß, leicht tragbar und läuft akkubetrieben. Es wird entweder mit Schrauben oder Klickverschlüssen an den Wänden fixiert oder kann auch im mobilen Einsatz per Gurt an x-beliebigen festen Strukturen festgezurrt werden. Zu Beginn des Vorstiegs wird das Seil eingefädelt. Die EPIC-Elektronik beinhaltet eine Rolle, die das Seil führt und einen kleinen Motor, der das Seil nach sich zieht. Doch wie erkennt das Gerät einen Absturz? „Die Elektronik überwacht die Drehung und erkennt einen Sturz an einer überhöhten Drehzahl. Es bremst elektromechanisch.

Q29A1882Zusätzlich trägt der Kletterer einen 3-Achs-Beschleunigungssensor am Handgelenk. Registriert der Sensor einen Sturz, wird binnen 30 Millisekunden auch das Bremssignal an die Basis gefunkt, spätestens nach einem Meter greift die Seilbremse“, sagen die Hersteller. Und wenn die Technik nun versagt? „Dann wird durch die zu hohe Drehzahl der Rolle die Fliehkraftkupplung aktiviert, welche die Bremse schließt.“ Die Kombination aus Elektronik und Mechanik soll das Gerät so einzigartig und vielfältig einsetzbar machen. Das doppelt redundante Bremssystem hat Florian sich patentieren lassen. Es ist weltweit einmalig und verhindert tödliche Unfälle bei einem Absturz.

Klettern weiter im Trend

Klettern ist und bleibt Trend: Was anfangs als Nischensportart begann, hat sich für viele Menschen als regelmäßiger Fitness-Sport etabliert. Allein in Europa gibt es zwei Millionen Hobbysportler, die entweder mit Seil, Gurt und Karabiner in die Berge fahren oder in den unterwegs sind. Der Markt boomt, mittlerweile ist die Zahl an Kletterhallen auf über 300 angestiegen. Parallel dazu steigen das Sicherheitsempfinden und die Standards in der Arbeitssicherheitsbranche. „Wer in Auroco investiert, investiert gleichzeitig in eine sichere Zukunft, sowohl im Sport als auch und der Industrie. Die Konkurrenz ist gering und das bleibt sie voraussichtlich auch. Bisher ist EPIC weltweit das einzige Gerät, das Kletterer vollautomatisch sichern kann“, so die Firmengründer.

Patentierte und zertifizierte Technologie halten die Konkurrenz zurück

Q29A1539Die Technologie ist patentiert und von der DEKRA nach aufwändigen Prüfungen über mehrere Monate zertifiziert. Für Innovationen wie EPIC muss die Prüfstelle die Anforderungen komplett neu definieren. Die Hemmschwelle für Nachahmer ist daher hoch. Dazu blicken Jan und Florian auf ein festes Netzwerk aus Lieferanten und Kooperationspartnern. Mit dem Vertriebspartner Skylotec hat sich Auroco in der Industrie bereits einen Namen gemacht und 100 EPIC in einer Münchner Werkstatt selbst produziert. In den nächsten fünf Jahren planen die Gründer sowohl in den Branchen für Arbeitssicherheit als auch im Klettersport 10.000 Stück zu verkaufen. Außerdem setzt Auroco auf weitere elektronische Innovationen: In Planung sind eine Sprachsteuerung und eine App für EPIC sowie zusätzliche Kletterprodukte wie sensorüberwachte Karabiner.

Written by

www.petra-rapp.blogspot.com

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