Stephan Siegrist am Kilimanjaro, Bild: visualimpact.ch / Thomas Senf

Stephan Siegrist: Weltrekord am Kilimanjaro

Stephan Siegrist am Kilimanjaro, Bild: visualimpact.ch / Thomas Senf

Stephan Siegrist am Kilimanjaro, Bild: visualimpact.ch / Thomas Senf

Profi-Alpinist Stephan Siegrist (Jg. 1972), ist nicht nur einer der sympathischsten, sondern auch einer der sportlich vielseitigsten Bergsteiger weltweit. Das hat der Schweizer, der mit seiner Familie in Ringgenberg bei Interlaken lebt, jetzt einmal mehr bewiesen. Nicht genug, dass er schwierigste Wände in Fels und Eis hinaufklettert, im Juni überquerte er in Tansania/Afrika in der Gipfelregion des Kilimanjaro auf 5700 Metern über Meereshöhe eine Highline und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. 

Sonntagnachmittag am Kilimanjaro: Da spaziert einer über ein ausgesetztes, dünnes Band, durchquert den afrikanischen Himmel, scheinbar mühelos, Schritt für Schritt. Der Tiefblick hinab in die steil abfallenden Fels- und Geröllflanken, auf die weit unten quellenden Wolkenschichten, passt nicht ganz zu einem Spaziergang und doch schwingt eine große Leichtigkeit mit, wenn Stephan Siegrist eine Highline überquert. Der Schweizer Profibergsteiger beging bereits in den Alpen Highlines am Matterhorn und auf der Dufourspitze und ergänzte damit großartige Naturlandschaften mit dem überraschenden Element eines fast spielerischen Balanceakts. Mit der gut 20 Meter langen, zwischen zwei Felstürmen gespannten Highline am Kilimanjaro erreicht Siegrist auf 5700 Metern über dem Meer eine neue Bestmarke: Noch nie ist es jemandem gelungen, in so großer Höhe eine Highline zu begehen. Den bisherigen Weltrekord aus dem Jahr 2015 hielt der Ungare Bence Kerekes mit einer Highline auf 5322 Meter über dem Meer im indischen Ladakh. Siegrist hat diesen nun um mehrere Hundert Höhenmeter überboten.

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Foto: Thomas Senf

Bei einer Highline spielt im Gegensatz zur Slackline in Absprunghöhe nicht nur die Fähigkeit eine Rolle, das Gleichgewicht zu halten, sondern auch die psychische Komponente, nur mit einer dünnen Schlinge gesichert über einem tiefen Abgrund zu balancieren. Als erfahrener Alpinist ist Siegrist mit den Herausforderungen der Höhe vertraut, wie schwierig es sein würde, auf 5700 Metern Meereshöhe die Balance zu halten, konnte er jedoch nicht voraussagen. „Trotz Akklimatisation war es schwierig, das Gleichgewicht zu finden“, kommentiert er seinen Erfolg. „In dieser Höhe geht alles langsamer, das gilt anscheinend auch für die Balance.“ Der geringe Sauerstoffgehalt der Luft erschwert nicht nur die Atmung, es stellt sich auch schneller ein Schwindelgefühl ein. Mit einem Bein aufzustehen, um die Überquerung überhaupt beginnen zu können, war zudem besonders anstrengend. „Interessant war auch zu sehen“, so Siegrist, „wie die Highline auf die kleinste Anspannung reagiert hat. Wenn ich nicht ganz locker bin, wird das Band sofort nervös.“

Foto: Thomas Senf

Foto: Thomas Senf

Stephan Siegrist bewegte sich am Kilimanjaro in einem Kleinst-Team, nur mit dem Fotografen und Filmer Thomas Senf, der auf einer früheren Expedition die Felstürme am Kilimanjaro als Möglichkeit für eine Highline entdeckt hatte, sowie einigen einheimischen Trägern. Die Highline sicher zu verankern, war im vulkanischen Gestein des Kilimanjaros eine große Herausforderung. Dies verlangte ein sicheres Auge für stabile Felspartien sowie die richtige Vorbereitung. Nur ein fehlendes Sicherungselement hätte an diesem abgelegenen Ort möglicherweise den Abbruch der Expedition bedeutet. Das Wetter sowie ein straffer Zeitplan hatten den Druck zudem erhöht. Mit starken Windböen war zu rechnen, dass es am Kilimanjaro allerdings schneien würde, war eine Überraschung. Die Möglichkeiten, unter diesen Bedingungen Erfolg zu haben, beschränkten sich auf ein kleines Zeitfenster – ein Nachmittag unter der afrikanischen Sonne, an dem alles passte.

Fakten zu der Highline am Kilimanjaro
Ort: Felstürme oberhalb des Arrow Glacier Camps, Kilimanjaro
Höhe über Meer: 5‘700 Meter ü.M.
Höhe über Boden: ca. 150 – 200 Meter
Länge der Highline: 21 Meter
Datum der Begehung: 19.6.2016

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