Foto Petra Rapp

Mit Ralf Dujmovits auf steilen Abwegen

Ralf Dujmovits, Foto Petra Rapp

Ralf Dujmovits, Foto Petra Rapp

Er stand als erster Deutscher auf den 14 Gipfeln aller 8000er, bestieg die höchsten Berge auf allen sieben Kontinenten und zählt mit über 40 Expeditionen zu den erfahrensten Höhenbergsteigern und Bergführern weltweit. So einen Mann kann doch nur noch schwer etwas beeindrucken, meint man. Doch als Ralf Dujmovits hier in Kitzbühel am Starthaus der legendären Streif steht und hinunter schaut, wo die Abfahrer gleich mal 100 km/h drauf haben und 160 m in 8,5 Sekunden beschleunigen, sagt er: „Eigentlich dachte ich, ich bin schon ein relativ mutiger Mensch, aber was die Jungs, die sich hier herunterstürzen, wagen, ist schon extrem“.

Ralf Dujmovits kommt gerade vom Sportklettern aus Nordspanien. Vorher war er zweieinhalb Monate in Pakistan, wo er zwei unbestiegene 7000er machen wollte, aber aufgrund schlechter Verhältnisse abbrechen musste. Klar freut er sich über Gipfelerfolge, aber die standen und stehen für den weltreisenden Bergsteiger nicht im Vordergrund. „Für mich war schon immer das Unterwegssein an sich meine Triebfeder und ich hoffe sehr, ich kann meine stete Neugierde, immer wieder Neues kennenlernen zu wollen, noch lange ausleben“, sagt der 55jährige Nord-Schwarzwälder.

Mit Ausrüster Schöffel in Kitzbühel

Streif (c)Petra Rapp (8)Neues lernt er hier in Tirol heute auf alle Fälle kennen, denn er ist tatsächlich zum ersten Mal nicht nur auf Durchreise in Kitzbühel. Er ist mit seinem Ausrüster Schöffel hier, in dessen Team Dujmovits seit 1995 unter anderem in Sachen Produktentwicklung mitarbeitet und Vorträge hält. Das in der 7. Generation von Peter Schöffel geführte, international agierende Familienunternehmen aus Schwabmünchen, in Deutschland einer der Marktführer im Bereich funktioneller Sportbekleidung, rüstet neben Dujmovits auch die Skiathleten des ÖSV sowie die Mitarbeiter der Bergbahnen Kitzbühel aus, so dass der Weg nach Kitzbühel nahe lag. Und weil Kitzbühel ohne Streif gar nicht geht, steht Ralf Dujmovits jetzt hier im Starthaus oberhalb der Bergstation der Hahnenkammbahn, wo man die legendäre Abfahrtsstrecke via sehr schön und anschaulich inszenierten „KitzTrail STREIF-live“-Wanderweg zu Fuß erobern kann. Rund 1000 steile Höhenmeter bergauf oder bergab – je nach Gusto und Kondition.

Richard Profanter, Foto Petra Rapp

Richard Profanter, Foto Petra Rapp

Ein Insider als Wanderführer

Richard Profanter (66), der Ralf Dujmovits begleitet, ist Wanderführer in Kitzbühel, ein ganz besonderer. 1995 war er verantwortlicher Bauleiter der Hahnenkammbahn und bis zu seiner Pensionierung 2013 Betriebsleiter und Pistenchef bei den Kitzbüheler Bergbahnen. Als Partner des Skiclubs Kitzbühel, Veranstalter der Hahnenkammrennen, trug Richard mit seinen Mitarbeitern der Bahn die Verantwortung für die Schneeproduktion und Präparierung der Rennstrecke.

Richard blüht mit jedem Meter, den er die Streif hinuntersteigt, richtig auf. Er erklärt jedes Detail am Hang, während Ralf sichtlich beeindruckt zuerst an der berüchtigten Mausefalle (85 Prozent Gefälle), dann am Steilhang (1.480m) den diversen Abgründen entgegenblickt. So ohne Schnee wirken die Hänge irgendwie gleich noch viel steiler und anspruchsvoller.

Klatsch und Tratsch gehört in Kitzbühel dazu

Foto Petra Rapp

Foto Petra Rapp

„Da muaßt pfeilgrad obefahrn und den Speed mitnehmen, denn dann wird’s langsam“, erklärt Richard. Und „langweilig“ wie sein Lieblingsfahrer Hermann Meier immer zu den Gleitstücken am Brückenschuss und dem Gschöss gesagt hat. Der Oberndorfer hat so einige Kitz-Insider-Geschichten auf Lager, denen nicht nur Ralf, der zwar von kleinauf sehr gerne Ski fährt, aber seit langem eigentlich nur noch auf Tourenski unterwegs ist und deshalb auch das alpine Renngeschehen eher weniger verfolgt, sehr interessiert und amüsiert zuhört.

Hausbergkante, Foto Petra Rapp

Hausbergkante, Foto Petra Rapp

Die Seidlalm (1.200m), wo Hansi Hinterseer bei seiner Tante aufgewachsen ist, der Lärchenschuss, dann die berühmte Hausbergkante mit der Traverse, wo höchste Kräfte auf Mensch und Material wirken, der anschließende Zielschuss, wo Spitzengeschwindigkeiten bis zu 140 km/h erreicht werden. Dann dürfen die Gladiatoren des Skiweltcups endlich Abschwingen im Zielareal dieses legendären Rennens, das im Sommer ein Golfplatz ist und deshalb nicht begangen werden kann. Macht auch nichts.

Streif (c)Petra Rapp (6)

Infoscreenan der Mausefalle

Die Streif zu Fuß – eine Tour, die selbst 14fache 8000er-Besteiger begeistert und sich lohnt. Als gute Trainingseinheit für den Winter und als Vorfreude auf die nächste Streif im Januar 2017. Das Rennfeeling mit den Toren an den Originalstellen, die hochmodernen Infotainment-LCD-Portalen, mit denen Filmsequenzen (historisch, informativ und spannend erzählt) sowie Flashanimationen eingespielt werden, vermitteln in jedem Fall eindrucksvolle Einblicke in das Renngeschehen auf der Streif und lenken vom Starthaus bis ins Ziel auch ganz gut ab, wenn der Puls zu hoch wird oder die Muskeln sauer.

Wandern KitzTrail Streif-live:

Von oben nach unten: Mit der Hahnenkammbahn hinauf bis zum Gipfel und Starthaus der Streif. Starthaus & Streif“ des Hahnenkammrennens – täglich geöffnet von 9.00 bis 16.00 Uhr. Führung auf Anfrage möglich. Von unten nach oben: Distanz 8,2 km, ca. 1000 hm.

Geführte Streif-Wanderungen werden auch von Kitzbühel Tourismus angeboten.

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www.petra-rapp.blogspot.com

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