(c)Willi Seebacher_DAV

Toni Palzer: „Skibergsteigen ist mein Leben“

Toni Palzer (c)Willi Seebacher_DAV

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Skitourengehen boomt. Während die einen dabei in der Natur Ruhe und Ausgleich zum stressigen Alltag suchen, rennen andere in einem Tempo die Hänge hoch, dass einem schon als Zuschauer dabei der Atem wegbleibt. Skibergsteigen als Wettkampfsport ist weiter auf dem Weg nach oben und in Zukunft eventuell sogar olympisch. Toni Palzer ist das Aushängeschild des DAV Nationalteams der Skibergsteiger. Der Ramsauer ist amtierender Jugendweltmeister, Gesamtweltcupsieger 2016 bei den Espoirs (U23) und in allen Disziplinen Dauergast auf den Weltcuppodien bei den Senioren. Für den Sportsoldaten bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Berchtesgaden ist es das Größte, draußen in der Natur ans körperliche Limit zu gehen. In dieser Saison will der Dritte des ISMF-Gesamtweltcups ganz nach oben. M4U-Autorin Petra Rapp sprach mit dem jungen Chiemgauer Ausnahmesportler.

Wie war Deine Saisonvorbereitung?

Toni Palzer: Etwas gemischt. Ich war im Sommer von der Sportfördergruppe der Bundeswehr aus zwei Monate in Hannover zu einem Unteroffiziers-Lehrgang. Da gibt’s halt keine Berge und wir hatten sehr viel Dienst. Das war nicht ganz ideal für’s Training. Aber im Großen und Ganzen müsste die Form schon passen.

Du bist verletzungsfrei und gesund geblieben?
Toni Palzer, (c) Petra Rapp

Toni Palzer, (c) Petra Rapp

Toni Palzer: Es lief alles rund und ich habe einige gute Wettkämpfe machen können, mir dort die notwendige Wettkampfhärte und auch schöne Erfolgserlebnisse geholt.  Mein Team und ich haben beim Red Bull Dolomitenmann in Lienz den Sieg geholt und ich konnte das Kitzbühler-Horn-Rennen, ein internationales Radrennen gewinnen. Eigentlich also alles im Plan.

Jetzt seid ihr wahrscheinlich viel im Schnee?

Toni Palzer: Ja, wir waren mit der Mannschaft am Stilfserjoch im Trainingslager, dann viel im Pitztal und am Stubaier Gletscher. Ich bin auch viel am Kitzsteinhorn und schlafe da auch immer mal wieder in der Höhe. Das bringt auch viel.

Dein Saisonziel? Den Gesamtweltcup im Visier?

Toni Palzer: Ganz klar, ja! In der letzten Saison war ich Dritter. Jetzt will ich natürlich schon noch weiter nach vorne. Im letzten Jahr wurden laut Regelwerk auch die ganzen Teamrennen in die Gesamtwertung miteinbezogen. Da hatte ich einfach den Nachteil, dass ich keinen Teampartner hatte. Toni Lautenbacher war lange verletzt und so hatte ich hier viermal eine Nullwertung und bin trotzdem noch Dritter geworden. Ohne diese Wertung hätte ich letztes Jahr den Gesamtweltcup gewonnen.

Und diese Regel fällt jetzt weg?

Toni Palzer: Ja, jetzt zählen nur noch die Einzelrennen für die Gesamtwertung.

Die Weltmeisterschaft Anfang Februar in Italien – auch ein Ziel?

Toni Palzer: Auf alle Fälle! Aber da mache ich mir überhaupt keinen Druck. Seit ich auf den Skiern stehe, habe ich immer gute Saisonerfolge gehabt. Irgendwann kommt sicher auch bei mir mal eine Flaute, eine Verletzung oder Krankheit dazwischen. Es kann immer was passieren. Aber ich freue mich sehr auf den Winter, auf die Saison, auf die WM und bin voll motiviert.

Deine härtesten Konkurrenten?

Toni Palzer: Ganz klar Kilian Jornet. Der ist schon verdammt gut. Aber in Sachen Gesamtweltcup bin ich ihm im Sprint voraus, da ist er nicht ganz so stark und deshalb zu knacken. Aber im Sprint gehört auch immer Glück dazu. Und dann gibt es natürlich auch noch die starken Italiener wie Michele Boscacci, Gesamtsieger der letzten Saison, und Robert Antonioli, Weltcupzweiter 2016. Die sind in allen Disziplinen stark, das wird mit Sicherheit nicht einfach.

Wo möchtest Du Dich noch gerne verbessern?
(c)Willi Seebacher_DAV

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Toni Palzer: Ich bin eigentlich in jeder Disziplin relativ konstant. Ich hatte in der letzten Saison nur im ersten Weltcup eine kleine Flaute, danach war ich bei jedem Wettbewerb unter den besten Drei. Im Sprint ist es halt ein bisschen schwieriger, das ist eine ziemliche Kopfsache und da fehlt mir auch ein wenig die Masse. Auf den längeren Disziplinen bin ich sicher stärker. Aber ich denke, ich bin schon ein sehr kompletter Skibergsteiger.

Denkst Du schon an die Zeit nach Deiner sportlichen Karriere? Was könnte da kommen?

Toni Palzer: Ein großes Ziel von mir ist, die Bergführer-Ausbildung zu machen. Aber ich will mich eigentlich jetzt nur auf meinen Sport konzentrieren und den so lange wie möglich machen. Ich hoffe natürlich sehr, dass Skibergsteigen als olympische Disziplin aufgenommen wird. Ob ich dann noch dabei bin als Athlet oder vielleicht als Trainer, wird sich zeigen. Aber ich bin erst 23, ich kann den Sport noch mindestens zehn Jahre machen. Und ich denke, meine beste Zeit kommt erst noch.

Keine Angst, dass Du Dich schon zu sehr verausgabst in jungen Jahren? Du bist ja jetzt doch schon relativ lange dabei.

Toni Palzer: Das glauben viele. Das kann natürlich schon sein. Ich bin mit 16 Jahren schon bei den Herren vorne mitgelaufen und seither dabei. Kann sein, dass ich schon brutal viele Körner verschossen habe. Aber wer weiß das schon. Ich mag das bisherige auf keinen Fall missen.

Dein sportlicher Traum?
Foto DAV

Foto DAV

Toni Palzer: Olympia und eine Medaille dort wären sicherlich schön, aber mehr für unsere Sportart an sich als für mich persönlich. Für mich sind andere Ziele interessanter. Ein Streckenrekord bei der Patrouille de Glacier zum Beispiel oder der Gesamtweltcup. Hier zeigt sich einfach, wer der kompletteste und stärkste Sportler über die ganze Saison ist. Bei Olympia oder der Weltmeisterschaft muss einfach an einem Tag alles passen. Da gehört viel Glück dazu.

Hast Du noch einen anderen sportlichen Traum abseits des Skibergsteigens?

Toni Palzer: Mein Fokus liegt derzeit ganz klar auf Skibergsteigen und dem Weltcup. Ich war vor drei Jahren mal mit meinem Vater am Mount McKinley in Alaska unterwegs und habe da meine ersten Erfahrungen im Höhenbergsteigen gemacht. Aber da weiß ich nicht so recht, ob das was für mich ist. Das war schon saukalt und ungemütlich. Aber Radfahren könnte mich reizen. Das kann ich recht gut und hab‘ da ja auch schon einige Erfolge eingefahren.

Rennrad oder MTB?

Toni Palzer: Eher Rennrad, beim MTB kommt das Bergabfahren dazu, das kann ich zwar schon auch, aber ist nicht so ganz mein Ding. Ich bin ein Ausdauersportler, ich plage mich sehr gerne.

Wie wäre es mit Triathlon?

Toni Palzer: Nein, Schwimmen kann ich nicht wirklich. Triathlon ist mir auch viel zu aufwendig. Ich denke, ich werde schon immer Skibergsteiger bleiben. Das ist mein Leben, das ist bei mir in Berchtesgaden, in meiner Familie tief verwurzelt und hat Tradition. Es macht mir sehr viel Spaß und da werde ich sicher dabeibleiben.

Skitouren gehen boomt. Profitiert auch das professionelle Skibergsteigen davon?

Toni Palzer: Ich denke schon. Die Popularität des Skibergsteigens steigt, das merke ich auch an den Sponsoren. Mir persönlich geht es super gut, ich habe einen Sportförderplatz vom Staat, tolle Sponsoren an meiner Seite, die mich super unterstützen. Die Saison kann also kommen.

Die Weltcupsaison startet am 21. Januar 2017 in Andorra. Was steht bis dahin bei Dir noch auf dem Programm?

Toni Palzer:  Vor dem ersten Weltcup warten auf mich noch ein paar Vorbereitungswettkämpfe, viele Höhenmeter und ein Start beim Mountain Attack in Saalbach.

Dann viel Erfolg in dieser Saison!

Written by

www.petra-rapp.blogspot.com

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