Livigno_Foto C. Meneghello

Livigno: Frühjahrsspaß im Freeride-Paradies

Livigno_Foto C. Meneghello

„Feel the alps“, so der Slogan von Livigno. Ja, fühlen kann man die Berge hier hautnah – und Wintersport in der zollfreien Oase bis weit in das Frühjahr hinein in seiner ganzen Vielfalt erleben. Vor allem Freerider kommen hier voll auf ihre Kosten.

Es hat frisch geschneit. Sicher, es macht schon auch Spaß, das Carosello 3000-Gebiet auf der westlichen Talseite oder einige Male die östliche Seite mit der schwarzen Giorgio Rocca-Piste herunter zu brettern, bis die Oberschenkel glühen. Aber gegen eine richtig schöne Powderabfahrt kommt das bei Skisport-Freigeistern einfach nicht an. Das ist wie ein Stück Apfelkuchen ohne Sahne. Gut, aber eben nicht richtig gut. Denn Freeriden in Livigno kann bei schönen Verhältnissen richtig gut sein. Zumal es auch das erste und einzige Skigebiet Italiens ist, in dem das Fahren abseits präparierter Pisten offiziell erlaubt ist.

Heliskiing und Freeride Coaching Areale

Foto: Petra Rapp

Neben den 150 Pistenkilometern mit 12 schwarzen, 37 roten und 29 blauen Pisten sowie zahlreichen, verlockenden Einkaufsmöglichkeiten warten hier im größten Wintersportort der Lombardei auf sechs verschiedenen Bergrücken in einer Höhe zwischen 1.800 und 2.900 Metern unzählige nicht präparierte Hänge auf die Freeride-Fans. Wer noch mehr ins Abseits will kann sich mit dem Heli auch ins Gebiet der Alta Valtellina fliegen lassen.

Livigno will sich verstärkt als Freeride-Destination etablieren und zeigt hier durchaus hohe Kompetenz und Verantwortung. Auf drei pistennahen und lawinensicheren Freeride Coaching Arealen am M. Della Neve, am Federia und unterhalb des Vetta Blesaccia sollen sich beispielsweise Freeride-Einsteiger erst einmal ohne Notfallausrüstung ausprobieren können, ob sie es skifahrerisch auch drauf haben, sich ins Gelände zu wagen. Wer sich dann ins Abseits begibt, ist – wie überall – prinzipiell für sich selbst verantwortlich. Sprich, er muss entsprechend dafür ausgerüstet sein und mit der Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und evtl. Airbagrucksack) auch im Notfall umgehen können.

„My Livigno“-App für Freerider

Foto: phVisualWorking

Damit sich die Freerider aber über die jeweiligen Verhältnisse im Abseits bewusst sind, dafür tut der Ort eine Menge. Eine eigene „Freeride-Karte“ visualisiert die Offpiste-Möglichkeiten in Livigno. Die Karte (auf reiß- und wasserfestem Papier) mit Angabe der Schwierigkeitsgrade der geeigneten Gebiete für Abfahrten abseits der Pisten ist in den Touristenbüros von Livigno, in Sportgeschäften vor Ort oder direkt online zu kaufen.

Große Infotafeln an zentralen Standorten im Skigebiet und Monitore an den Liftstationen, in Hotels oder Sportgeschäften im Ort informieren über die aktuellen Wetter- und Schneelagen. Jeden Sonntagabend von 17 bis 19 Uhr kann man sich in der Brauerei von Livigno mit den Fachleuten Lawinenzentrums, mit Berg- und Skiführern oder anderen Backcountry-Spezialisten und Fans treffen und alle Infos über Sicherheitsfragen oder Schneebedingungen holen. Und mit einer eigenen App können Wintersportler sich auch während der Abfahrten am Hang aktuell über die Lawinenlage informieren. Unter dem Namen „My Livigno“ steht die App mit den tagesaktuellen Daten zu Wetter- und Sichtverhältnissen, dem Schneefall sowie der Stabilität der Schneedecke auf den Hängen Livignos kostenlos für iPhone und Android-Smartphone zum Download bereit. „Den Spaß und das Freiheitsgefühl abseits der Pisten mit größtmöglicher Sicherheit zu verbinden – dieses Bestreben führen wir nun mit unserer neuen App noch einen Schritt weiter und ermöglichen es Tiefschneefahrern, noch schneller auf veränderte Bedingungen zu reagieren“, so Livignos Tourismusdirektor Luca Moretti.

Eigener Schnee-Wissenschaftler

Fabiano Monti, Foto: Petra Rapp

Ursprung der Daten sind das Lawinenbulletin der italienischen Umweltorganisation ARPA sowie die Berichte des Schweizerischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Zudem beschäftigt der Tourismusverband Livigno einen eigenen Wissenschaftler für Schnee und Lawinensicherheit, der tagesaktuelle Daten für den Ort sammelt. Fabiano Monti ist 35 und studierter Umweltwissenschaftler. Er ist selbst leidenschaftlicher Freerider und kennt sich aus mit Schnee und Lawinen. Er arbeitete zuvor in Davos im weltgrößten Lawinenforschungszentrum und war im letzten Winter in der Antarktis, wo er für die Nasa und Esa an einem Forschungsprojekt mitgewirkt hat. Zusammen mit seinen Mitarbeitern ist er hier in Livigno schon sehr früh am Morgen unterwegs, um das Freerideprojekt weiter voranzutreiben und tagesaktuelle Schneeprofile für das Schneebulletin und die App zu erstellen. „Längerfristige Vorhersagen kann man hier in Livigno nur schwer machen. Das Wetter ändert sich hier schnell“, sagt er. Er empfiehlt jedem, jegliche professionelle Unterstützung, die ihm hier geboten wird, auch zu nutzen und nicht unbedacht ins Gelände zu fahren. Freeriden ist unglaublich schön, aber ein Restrisiko bleibt immer. Auch in Livigno, das alles dafür tut, dieses möglichst niedrig zu halten.

Vielerlei Wintersportmöglichkeiten

Foto: APT Livingo

Wer mal Abwechslung zu Freeride- oder Alpinski braucht, kann sich in Livigno auch anderweitig austoben. Fans der dünnen Latten finden hier rund 30 km bestens präparierte und frei zugängliche Langlaufloipen. Die Loipen, darunter einfache wie auch technisch anspruchsvollere Strecken, führen quer durch das sonnenverwöhnte Tal. Seit letztem Jahr wurden etwa fünf der insgesamt 30 Kilometer umfassenden Strecken mit Beschneiungsanlagen ausgestattet, um die von Fausto Bormetti konzipierte Profistrecke „Marianna Longa“ auch bei geringer Schneelage öffnen zu können. Wer sich im Biathlon ausprobieren will: Im Rahmen von individuellen Kursen einfach mal Luft anhalten und versuchen, diese verdammt kleinen schwarzen Scheiben zu treffen.

Schneeschuhe, in Livigno „Drezola“ genannt, dienten den Bergbewohnern in Livigno lange als Fortbewegungsmittel in der kalten Jahreszeit. Wer sich darauf aufmachen will, dem steht ein umfangreiches Wegenetz mit unzähligen Routen für Schneeschuhwanderungen wie auch für Skitouren zur Verfügung: von einfachen, 2-stündigen Aufstiegen auf offenen Hängen bis zu anspruchsvollen mehrtägigen Gletschertouren, die man allerdings besser mit einem der örtlichen Bergführer unternehmen sollte.

Foto: APT Livigno

Ein echtes Action-Highlight: Fatbiken im Schnee und den neuen, speziell zum Fatbiken präparierten, 20 Kilometer langen Radweg in Livigno abradeln. Damit es leichter geht, haben die Kursanbieter und Bikeverleiher auch moderne E-Fatbikes im Angebot. Kalorien, die man ob des verführerischen kulinarischen Angebots in den Hütten und Restaurants in Livigno mit Sicherheit zu viel sich nimmt, verbrennt man allerdings ohne E-Unterstützung mehr.

Anreise:

Mit dem Auto: Ganzjährig von Landeck (A) in Richtung Sankt Moritz (CH) bis nach Zernez (CH), anschließend Richtung Pass dal Fuorn durch den Tunnel Munt La Schera bis zur italienischen Grenze nach Livigno. Ganzjährig aus der Schweiz von Zürich über Landquart (CH) in Richtung Klosters, durch den Tunnel Vereina nach Zernez. Richtung Pass dal Fuorn durch den Tunnel Munt La Schera bis zur italienischen Grenze nach Livigno.

Mit dem Flugzeug: Über die Flughäfen Mailand, Bergamo, Brescia, Verona und Bozen sowie Zürich, Innsbruck, Friedrichshafen und München, Weiterfahrt mit dem Auto oder mit dem Zug bis Zernez (aus der Schweiz und Deutschland) und mit dem Bus bis nach Livigno. Direkte Verbindung mit dem Airport Shuttle im Winter nach Mailand Malpensa und Mailand Linate, Bergamo und Innsbruck.

Mit dem Zug: Fahrt bis Zernez (CH) und Weiterfahrt mit Bus oder Taxi ins 30 Kilometer entfernte Livigno.

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www.petra-rapp.blogspot.com

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